INHALTSVERZEICHNIS
Was zeichnet den Brutalismus aus?
Was versteht man unter dem Begriff Ökobrutalismus?
Ist Öko-Brutalismus nachhaltig?
Wie können bestehende brutalistische Gebäude umgebaut und saniert werden?
Welche Förderprogramme gibt es für die Sanierung von Betonbauten?

Einleitung
Öko-Brutalismus zeigt sich in Deutschland besonders anschaulich am begrünten Hochbunker St. Pauli in Hamburg oder an der Diskussion um den sogenannten Mäusebunker in Berlin.
Diese Beispiele zeigen, dass Abriss nicht immer die beste Idee ist. Genauso gut können bestehende brutalistische Bauten mit kreativen Konzepten weiterentwickelt werden
So wurde der 70x70m große Hamburger Bunker im Rahmen eines öko-brutalistischen Umbaus um fünf Stockwerke erweitert, mit ca. 22.000 Pflanzen begrünt und durch Hotel-, Kultur- und Wohnflächen belebt.
Er ist ein Beispiel dafür, wie mit einem klugen Sanierungskonzept aus einem alten Betonbau ein nachhaltiges, öffentliches Gebäude gemacht werden kann, bei dem das geschichtliche Erbe des Gebäudes erhalten bleibt.
In Berlin sind wir mit unserem „Mäusebunker“ in Lichterfelde noch nicht so weit. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde zunächst von der Freien Universität, dann von der Charité als Labor für Tierversuche genutzt. Ideen für die Nachnutzung gibt es bereits, auf konkrete Pläne zum Umbau wird gewartet.
Was zeichnet den Brutalismus aus?
Brutalismus zeichnet sich durch sichtbare Konstruktionen, freiliegende Grundrisse und vor allem unverputzten Beton aus. Daher auch der Name.
Denn: Der Begriff Brutalismus kommt vom französischen béton brut, also „roher Beton“. Es ist ein Baustil, der zeigt, was ist: massiv, ehrlich und unverkleidet. Und dabei heute so stark polarisiert wie nie.
Für die Einen bedeuten brutalistische Gebäude triste Nachkriegsmoderne in Form von „Betonklötzen“. Die anderen sprechen wertschätzend von Authentizität, Materialehrlichkeit und Klarheit im Design.
Früher wurden solche Bauten vor allem im Auftrag der öffentlichen Hand errichtet als Forschungszentren, Verwaltungsgebäude oder Universitäten. Heute sind es Städte, Investoren oder private Bauherren, die in diese Substanz investieren.
Und das mit neuen Ideen und Konzepten. Öko-Brutalismus ist eines davon.

Was versteht man unter dem Begriff Öko-Brutalismus?
Öko-Brutalismus beschreibt den Umbau brutalistischer Gebäude zu modernen, energieeffizienten und ökologischen Bauwerken. Das rohe Material bleibt sichtbar, wird aber aufgewertet: Durch Begrünung, neue Dämmung, moderne Technik und eine sinnvolle Nachnutzung.
Das Ziel? Architekturgeschichte und Nachhaltigkeit vereinbaren.
Während der klassische Brutalismus vor allem die Konstruktion feierte, steht beim Öko-Brutalismus der nachhaltige Umgang mit dem Bestand im Mittelpunkt.
Ein wichtiger Punkt ist die sogenannte „graue Energie“. Sie beschreibt die Energie, die bereits in einem bestehenden Gebäude steckt – also alles, was bei der Herstellung, beim Transport und beim Bau an CO₂ freigesetzt wurde. Wenn man ein Gebäude abreißt, geht diese Energie verloren.
Wer stattdessen saniert, spart genau diese Emissionen ein, schont Ressourcen und seine Finanzen. So entsteht Nachhaltigkeit durch Erhalt statt durch Neubau.
Ist Öko-Brutalismus also nachhaltig?
Ja, Öko-Brutalismus kann sehr nachhaltig sein, wenn Sanierung und Nachrüstung klug geplant werden.
Beton gilt zwar als CO₂-intensiv, da bei der Zementherstellung große Mengen Kohlendioxid entstehen, doch gerade deshalb lohnt es sich, vorhandene Strukturen weiterzunutzen. In Deutschland verursachte die Zementindustrie 2022 rund zehn Prozent der Industrieemissionen. Weltweit liegt der Anteil bei bis zu acht Prozent.
Trotzdem hat Beton Vorteile: Er ist langlebig, robust und speichert Wärme. Außerdem arbeiten Hersteller an innovativen Ideen, um den Klinkeranteil bei der Zementproduktion zu reduzieren. Denn: Zementklinker stößt besonders viel CO₂ aus.
Ein Beispiel ist die Software des Berliner Start-Ups „Alcemy“. Das Programm überwacht den Herstellungsprozess von Zement und ermittelt so in Echtzeit wieviel Zementklinker tatsächlich beigemischt werden muss, um den Baustoff stabil zu machen.
Alternativen zu Zementklinker, wie calzinierte Tone, werden in Deutschland bisher nur selten eingesetzt. Ein Grund: Kostenunsicherheiten.
Wie können bestehende brutalistische Gebäude umgebaut und saniert werden?
Der Umbau brutalistischer Bauten stellt Bauunternehmen vor besondere Aufgaben. Tragwerke müssen überprüft, Wärmebrücken reduziert und technische Anlagen erneuert werden. Große Betonkörper bieten viel Raum, aber auch Herausforderungen in Denkmal-, Brand- und Schallschutz. Mehr zum Thema Schallschutz erfahrt ihr hier.
Wer nachhaltig sanieren will, braucht einen klaren Plan und Erfahrung im Umgang mit Bestand. Zukunftsfähiges Bauen bedeutet mehr als Abriss. Es bedeutet Mehrwert und Nachnutzung durch Innovationen und neue Herangehensweisen.
So lassen sich etwa Holz-Hybrid-Decken einsetzen, um Gewicht zu sparen. Recyclingbeton reduziert den Bedarf an neuem Material, Dämmstoffe aus natürlichen Rohstoffen wie Holzfasern oder Zellulose verbessern die Energiebilanz.
Und wenn Dachflächen begrünt oder mit Photovoltaik versehen werden, senkt das den Energieverbrauch und schafft neue Lebensräume.
Welche Förderprogramme gibt es für die Sanierung von Betonbauten?
Der Staat unterstützt den Erhalt und die Sanierung von Bestandsgebäuden mit verschiedenen Programmen. Dazu zählen:
- Das KfW-Programm BEG 263. Dieses Programm ermöglicht günstige Kredite und Zuschüsse für energetische Sanierungen von Nichtwohngebäuden
- Förderungen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Das BAFA ermöglicht Zuschüsse für einzelne Maßnahmen an Gebäudehülle und Anlagentechnik.
- Kommunale Programme, wie das Berliner Förderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“. Hier werden nachhaltige Projekte unterstützt, die attraktiven öffentlichen Raum schaffen.
Zusätzliche Förderungen sind möglich, wenn ein Gebäude das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) erhält.
Da sich Förderbedingungen regelmäßig ändern, sollte jede Planung damit beginnen, die aktuellen Förderungsmöglichkeiten zu recherchieren.
Unser Experten-Fazit
Aus Sicht der Pejano Bauunternehmung ist der Öko-Brutalismus ein zukunftsweisender Ansatz für den verantwortungsvollen Umgang mit Bestandsarchitektur. Der Umbau solcher Gebäude ist technisch anspruchsvoll und verlangt Fachwissen in Beton- und Sanierungstechnik, doch der Aufwand lohnt sich. Sowohl ökologisch, aber vor allem wirtschaftlich und gestalterisch.
Brutalistische Bauten erzählen Geschichte. Wenn sie saniert und weitergedacht werden, entsteht etwas Neues – eine Verbindung aus Bestand und Moderne, aus rauer Substanz und grüner Zukunft. Öko-Brutalismus bedeutet, das Bestehende nicht als Problem zu sehen, sondern als Chance.
Für uns als Bauunternehmen ist das die konsequente Weiterentwicklung des nachhaltigen Bauens: solide, effizient und zukunftsorientiert.