- Unkontrollierter Schall kann die kognitive Leistungsfähigkeit um bis zu 66 % senken
- Akustikdecken sind der wirksamste Hebel – Absorptionsklasse A ist Standard für Großraumbüros
- Richtwert für die Nachhallzeit in Büros: 0,5 bis 0,8 Sekunden (gemäß DIN 18041)
- Die Kombination aus Decke, Wand und Boden erzielt die besten Ergebnisse
- Praxisbeispiel: Nachhallzeit von 1,2 auf 0,6 Sekunden reduziert
Warum Akustik im Büro so wichtig ist
Lärm ist einer der größten Produktivitätskiller in modernen Büroumgebungen. Studien zeigen, dass unkontrollierter Schall die kognitive Leistungsfähigkeit um bis zu 66 Prozent reduzieren kann. Besonders betroffen sind Tätigkeiten, die Konzentration erfordern: analytisches Arbeiten, Programmieren, Texterstellung oder komplexe Berechnungen.
Open-Space-Büros bieten zweifellos Vorteile für Kommunikation und Zusammenarbeit. Gleichzeitig schaffen sie akustische Herausforderungen, die ohne gezielte Maßnahmen kaum beherrschbar sind. Telefonate, Gespräche am Nachbarschreibtisch, Tastaturgeräusche und Schritte auf harten Böden addieren sich zu einem permanenten Geräuschpegel, der Mitarbeiter belastet.
Die typischen Probleme sind dabei immer dieselben: zu langer Nachhall, schlechte Sprachverständlichkeit in Besprechungsräumen und fehlende akustische Zonierung. Das Ergebnis sind Konzentrationsstörungen, steigende Fehlerquoten und sinkende Zufriedenheit.
Die gesetzliche Grundlage für Raumakustik am Arbeitsplatz bildet die Arbeitsstättenregel ASR A3.7 „Lärm". Ergänzend definiert die DIN 18041 konkrete Anforderungen an die Raumakustik in Gebäuden. Beide Regelwerke sind für Arbeitgeber verbindlich – und für Planer die zentrale Referenz bei jedem Büroprojekt.
Grundlagen der Raumakustik
Um akustische Probleme gezielt zu lösen, braucht es ein Verständnis der physikalischen Grundlagen. Der wichtigste Parameter ist die Nachhallzeit T60: Sie beschreibt die Zeitspanne, in der ein Schallereignis nach dem Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel abklingt. Eine zu lange Nachhallzeit führt dazu, dass sich Geräusche überlagern und der Raum als „hallig" empfunden wird.
Drei Begriffe werden in der Praxis häufig verwechselt:
- Schallabsorption: Umwandlung von Schallenergie in Wärme an Oberflächen – reduziert den Nachhall im Raum.
- Schalldämmung: Verhinderung der Schallübertragung zwischen zwei Räumen – relevant für Trennwände und Decken.
- Schalldämpfung: Reduktion von Schall in Kanälen und Leitungen – betrifft vor allem die Haustechnik.
Die Absorptionsleistung von Materialien wird nach DIN EN ISO 11654 in Klassen von A (höchste Absorption) bis E (geringste Absorption) eingeteilt. Für Büroräume gelten als Richtwerte eine Nachhallzeit von 0,5 bis 0,8 Sekunden. Offene Büroflächen sollten am unteren Ende dieses Bereichs liegen, geschlossene Besprechungsräume dürfen etwas höher ausfallen.
Akustikdecken – Der wirksamste Hebel
Die Decke ist die größte zusammenhängende Fläche in jedem Büroraum – und damit der wirksamste Ansatzpunkt für akustische Maßnahmen. Im Trockenbau stehen mehrere bewährte Systeme zur Verfügung:
Mineralfaserplatten
Mineralfaserplatten erreichen Absorptionsklasse A und bieten damit die höchste Schallabsorption. Sie werden in abgehängte Deckensysteme eingelegt und sind in verschiedenen Oberflächen erhältlich – von glatt bis strukturiert. Für Großraumbüros sind sie die Standardlösung.
Gelochte Gipskartondecken
Gelochte oder geschlitzte Gipskartonplatten verbinden akustische Wirksamkeit mit einer geschlossenen, hochwertigen Optik. Die Perforation in Kombination mit einem dahinterliegenden Akustikvlies absorbiert Schall gezielt. Je nach Lochbild und Hinterdämpfung erreichen diese Systeme Absorptionsklasse A oder B.
Metalldecken mit Akustikvlies
Perforierte Metalldecken – aus Aluminium oder Stahl – sind langlebig, hygienisch und leicht zu reinigen. Mit kaschiertem Akustikvlies auf der Rückseite erreichen sie gute bis sehr gute Absorptionswerte. Sie eignen sich besonders für repräsentative Bereiche und Räume mit hohen Hygieneanforderungen.
Deckensegel und Baffeln
Abgehängte Deckensegel und vertikale Baffeln sind die Lösung, wenn eine vollflächige Akustikdecke nicht möglich oder nicht gewünscht ist – etwa bei sichtbar belassener Betondecke oder offener Deckenführung. Sie werden punktuell oder in Reihen montiert und absorbieren Schall gezielt dort, wo er entsteht.
Ein entscheidender Vorteil abgehängter Deckensysteme: Sie ermöglichen die Integration von Beleuchtung, Sprinkleranlagen und Klimatechnik. Moderne Akustikdecken sind als Gesamtsystem konzipiert, das Raumakustik, Beleuchtung und Raumklima in einer Ebene vereint.
Akustikwände und Trennwandsysteme
Neben der Decke spielen Wände und Trennwandsysteme eine zentrale Rolle für die Büroakustik – insbesondere bei der Zonierung offener Flächen und der Schalldämmung zwischen Räumen.
Vorsatzschalen mit Schallabsorbern
Vor bestehende Wände montierte Vorsatzschalen mit integriertem Absorptionsmaterial reduzieren den Nachhall und verbessern gleichzeitig die Schalldämmung zum Nachbarraum. Die Unterkonstruktion aus Metallprofilen wird mit Mineralwolle gefüllt und mit gelochten oder geschlitzten Gipskartonplatten verkleidet.
Systemtrennwände mit Schallschutz
Moderne Systemtrennwände im Trockenbau erreichen Schalldämmwerte von Rw 45 bis 55 dB – ausreichend, um normale Sprachpegel zwischen Büroräumen effektiv zu dämmen. Entscheidend sind die fachgerechte Ausführung der Anschlüsse an Decke, Boden und angrenzende Bauteile sowie die Vermeidung von Schallbrücken.
Mobile Akustikwände und Raumteiler
Flexible Akustikwände und textile Raumteiler ermöglichen eine schnelle Zonierung ohne bauliche Eingriffe. Sie absorbieren Schall und schaffen visuelle Abgrenzung. Für agile Bürokonzepte, die regelmäßig umgestaltet werden, sind sie eine pragmatische Ergänzung.
Akustikputz und textile Wandverkleidungen
Akustikputz wird direkt auf die Wand aufgetragen und bietet eine fugenlose, ästhetisch anspruchsvolle Oberfläche mit guter Schallabsorption. Textile Wandverkleidungen und Akustikpaneele sind eine weitere Option, die gestalterische Freiheit mit akustischer Wirksamkeit verbindet.
Phone Booths und Meeting-Pods
Für vertrauliche Telefonate und kurze Besprechungen setzen viele Unternehmen auf geschlossene Kabinen – sogenannte Phone Booths oder Meeting-Pods. Diese vorgefertigten Einheiten bieten hohe Schalldämmung (bis Rw 35 dB) und lassen sich ohne bauliche Veränderungen im Raum platzieren. Sie sind eine sinnvolle Ergänzung, ersetzen aber keine raumakustische Gesamtplanung.
Bodenakustik und ergänzende Maßnahmen
Der Boden wird bei der akustischen Planung häufig unterschätzt, obwohl er einen messbaren Beitrag zur Raumakustik leistet.
Teppichfliesen vs. Designbelag
Teppichfliesen absorbieren Trittschall und Luftschall deutlich besser als harte Beläge. Hochwertige Teppichfliesen mit Akustikrücken erreichen Trittschallverbesserungsmaße von bis zu 25 dB. Designbeläge (LVT/Vinyl) sind pflegeleichter, leisten aber akustisch weniger – hier sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich.
Akustik-Unterlagen für Bodenbeläge
Wenn harte Bodenbeläge gewünscht sind, verbessern spezielle Akustik-Unterlagen die Trittschalldämmung erheblich. Diese Entkopplungsschichten werden zwischen Estrich und Belag verlegt und reduzieren die Schallübertragung in angrenzende Räume.
Möblierung als Schallabsorber
Polstermöbel, Regale mit Büchern und offene Schranksysteme wirken als natürliche Schallabsorber. Gezielte Möblierung kann die Nachhallzeit spürbar verkürzen – insbesondere in Räumen, in denen bauliche Maßnahmen begrenzt sind. Akustisch wirksame Möbel sind mittlerweile Teil vieler Büroplanungen.
Pflanzen als natürliche Schallabsorber
Große Grünpflanzen und begrünte Wände absorbieren Schall und verbessern gleichzeitig das Raumklima. Die akustische Wirkung einzelner Pflanzen ist begrenzt, aber in Kombination mit anderen Maßnahmen ein sinnvoller Baustein – und ein Gewinn für die Aufenthaltsqualität.
Praxisbeispiel: Akustikkonzept für ein Open-Space-Büro
Ein typisches Projekt aus unserer Praxis zeigt, wie verschiedene Maßnahmen zusammenwirken. Ausgangslage: eine 800 Quadratmeter große Open-Space-Fläche mit Betondecke, Estrichboden und Glasfassade. Die gemessene Nachhallzeit lag bei 1,2 Sekunden – deutlich über dem Richtwert.
Zonierung: Laut vs. Leise
Die Fläche wurde in zwei Zonen unterteilt: einen Kollaborationsbereich für Teamarbeit und Besprechungen sowie einen Focus-Bereich für konzentriertes Arbeiten. Zwischen den Zonen sorgen Akustik-Trennwände und Regale für eine akustische Pufferzone.
Maßnahmen pro Zone
Im Kollaborationsbereich: abgehängte Deckensegel (Absorptionsklasse A), Teppichfliesen mit Akustikrücken und mobile Akustikwände. Im Focus-Bereich: vollflächige Akustikdecke aus Mineralfaserplatten, Vorsatzschalen an den Stirnwänden und Phone Booths für Telefonate.
Ergebnis
Nach Umsetzung aller Maßnahmen sank die Nachhallzeit von 1,2 auf 0,6 Sekunden. Die Sprachverständlichkeit in Besprechungsräumen verbesserte sich messbar, und die Mitarbeiterbefragung ergab eine deutlich höhere Zufriedenheit mit der Arbeitsumgebung.
Pejano und Trockenbau-Akustik
Akustik ist fester Bestandteil unserer Büroausbau-Projekte. Ob Neugestaltung wie an der Friedrichstraße, großflächiger Ausbau im Quartier Heidestraße oder Bestandsoptimierung für internationale Technologieunternehmen wie ServiceNow – wir planen und realisieren akustische Lösungen als integralen Teil des Gesamtprojekts.
Dabei arbeiten wir eng mit spezialisierten Akustikplanern zusammen, die auf Basis raumakustischer Messungen und Simulationen das optimale Maßnahmenpaket definieren. Als Generalunternehmer übernehmen wir die Umsetzung aller Gewerke – vom Trockenbau über die Deckeninstallation bis zum Bodenbelag. Sie erhalten ein schlüsselfertiges Ergebnis aus einer Hand.
Fazit
Gute Raumakustik im Büro entsteht nicht durch Zufall, sondern durch gezielte Planung und fachgerechte Umsetzung. Trockenbaulösungen bieten das breiteste Spektrum an Möglichkeiten: von hochabsorbierenden Akustikdecken über schallgedämmte Trennwände bis zu flexiblen Raumteilern. Entscheidend ist die Kombination mehrerer Maßnahmen – abgestimmt auf Raumgeometrie, Nutzung und gestalterischen Anspruch.
Wenn Sie die Akustik in Ihren Büroräumen verbessern möchten oder einen Büroausbau planen, sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gerne – von der ersten Idee bis zur schlüsselfertigen Umsetzung.
Die Kombination aus Akustikdecke, Schallschutzwänden und Bodenkonzept ist der effektivste Weg zu einer produktiven Büroumgebung. Einzelmaßnahmen allein reichen selten aus – erst das Zusammenspiel aller Oberflächen senkt die Nachhallzeit auf den Richtwert von 0,5 bis 0,8 Sekunden.
Von der raumakustischen Analyse bis zur schlüsselfertigen Umsetzung – wir übernehmen alle Gewerke aus einer Hand.
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