- Ein Serverraum ist bauordnungsrechtlich ein Sonderfall: Nutzungsänderungen erfordern in der Regel eine Baugenehmigung mit eigenem Brandschutzkonzept.
- Wände, Böden und Decken müssen mindestens Feuerwiderstandsklasse F 90 nach DIN 4102 erfüllen; der Serverraum ist als eigener Brandabschnitt auszubilden.
- Technische Grundlage ist die DIN EN 50600 mit vier Verfügbarkeitsklassen, ergänzt durch VdS 6003 (seit Juni 2025) und den BSI-Baustein INF.2.
- Hohe Rack-Lasten (8–15 kW, weit über 1.500 kg) erfordern eine Tragwerksanalyse; die Mindest-Nutzlast liegt bei 5,0 kN/m².
- Seit dem 6. Dezember 2025 haftet die Geschäftsleitung nach § 38 BSIG (NIS-2) persönlich für Brandschutz, Klima und Zutrittsschutz.
Warum der Serverraum ein Sonderfall im Mieterausbau ist
Ein Serverraum unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Büro- oder Mieterausbau. Während bei Büroflächen Raumaufteilung, Akustik und Innenausbau im Vordergrund stehen, geht es hier um eine hochverdichtete Infrastrukturfläche mit außergewöhnlichen Anforderungen an Brandschutz, Statik und Gebäudetechnik. Genau das macht das Serverraum bauen zu einer eigenen Disziplin innerhalb des Gewerbeausbaus.
Nutzungsänderung als baurechtlicher Ausgangspunkt
Wird eine bestehende Fläche – etwa ein Büro- oder Lagerraum – zum Serverraum umgebaut, liegt in aller Regel eine Nutzungsänderung vor. Diese ist bauordnungsrechtlich relevant und erfordert häufig eine Baugenehmigung, weil sich die brandschutztechnischen und statischen Rahmenbedingungen verschieben. Ob im Einzelfall genehmigungspflichtig, sollte frühzeitig mit der zuständigen Behörde und einem Fachplaner geklärt werden.
Sonderbau-Charakter: erhöhte Anforderungen
Serverräume tragen faktisch Sonderbau-Charakter. Sie sind als eigener Brandabschnitt auszubilden, benötigen eine belastbare Tragwerksbasis und eine präzise ausgelegte Klimatisierung. Der Erfolg des Projekts hängt daher weniger von einzelnen Gewerken ab als von deren sauberer Abstimmung.
- Vermieter einbinden: Eingriffe in Tragwerk und Haustechnik betreffen die Bausubstanz und bedürfen der Zustimmung.
- Baubehörde und Brandschutz-Sachverständige: frühzeitig abstimmen, bevor die Planung verfestigt ist.
- Generalunternehmer als Schnittstelle: koordiniert Fachplaner, Prüfstatiker und Gewerke aus einer Hand.
Das Normen- und Regelwerk für Bauherren und Investoren
Beim Serverraum-Ausbau greifen mehrere Regelwerke ineinander. Bauherren und Investoren sollten die wichtigsten kennen, um Umfang und Risiken realistisch einzuschätzen.
DIN EN 50600: vier Verfügbarkeitsklassen
Die DIN EN 50600 ist die zentrale europäische Norm für Rechenzentren. Sie unterteilt die Verfügbarkeit in vier Klassen – von Klasse 1 ohne Redundanz bis Klasse 4 mit vollständiger 2N-Systemredundanz und einer angestrebten Verfügbarkeit von 99,99 %. Die gewählte Klasse bestimmt maßgeblich die Investitionshöhe.
VdS 6003, BSI INF.2 und NIS-2
- VdS 6003 (seit Juni 2025): beschreibt erstmals brandschutztechnische Anforderungen speziell für IT-Räume und Rechenzentren. Keine gesetzliche Pflicht, aber von Versicherern häufig als vertragliche Bedingung gefordert.
- BSI IT-Grundschutz-Baustein INF.2: "Rechenzentrum und Serverraum" verweist auf die ASHRAE-Klimawerte und ergänzt Anforderungen an Brandschutz, Redundanz und Monitoring. Ab etwa 50 Mitarbeitern wird die Einhaltung zunehmend prüfrelevant.
- NIS-2-Umsetzungsgesetz (§ 38 BSIG, seit 6. Dezember 2025): Die Geschäftsleitung betroffener Unternehmen haftet persönlich für physische und organisatorische Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich Brandschutz, Klima und Zutrittsschutz.
Ergänzend gelten die jeweiligen Landesbauordnungen. Da sich Normen und Gesetze ändern, ersetzt dieser Überblick keine rechtliche Prüfung im Einzelfall.
Baulicher Brandschutz: Brandabschnitt, F 90 und Löschanlagen
Der bauliche Brandschutz ist das Herzstück jedes Serverraum-Projekts – nicht zuletzt, weil ein Ausfall der IT existenzbedrohend sein kann und Versicherer klare Vorgaben machen.
Eigener Brandabschnitt mit F 90
Der Serverraum ist als eigenständiger Brandabschnitt auszubilden. Wände, Böden und Decken müssen mindestens die Feuerwiderstandsklasse F 90 nach DIN 4102 erfüllen. So wird verhindert, dass sich ein Brand von außen in den Raum – oder aus dem Raum in das übrige Gebäude – ausbreitet. Ein Einsturz des Bodens im Brandfall erhöht die Brandgefahr zusätzlich, weshalb der raumabschließende Aufbau sorgfältig zu planen ist.
Früherkennung und Löschtechnik
- Früherkennung: Rauchansaugsysteme detektieren Brände oft früher als klassische Punktmelder – ein Vorteil bei den geringen Rauchmengen elektronischer Bauteile.
- Löschsysteme: Gaslöschanlagen (z. B. Inertgas) sind für Serverräume verbreitet, weil sie die Hardware anders als Wasser nicht beschädigen.
- Zugänglichkeit: Löschangriffswege, Aufstellflächen für Feuerwehrfahrzeuge und die Zugänglichkeit des Raums sind in der Planungsphase mit der Brandschutzbehörde abzustimmen; oft ist ein Brandschutz-Sachverständiger behördlich gefordert.
Die VdS 6003 kann hier zur vertraglichen Grundlage gegenüber dem Versicherer werden – ein Aspekt, der schon in der Konzeptphase mitgedacht werden sollte.
Tragwerk und Bodenaufbau: statische Sonderanforderungen
Moderne IT-Technik ist schwer. Server-Racks ziehen heute 8–15 kW – das Dreifache des Niveaus von 2015 – und können im Betrieb weit über 1.500 kg wiegen. Das stellt erhöhte Anforderungen an Tragwerk und Kühlung zugleich.
Mindest-Nutzlast und Tragwerksanalyse
Für IT-Räume gilt eine Mindest-Tragfähigkeit des Bodens von 5,0 kN/m² nach DIN 1055. Ob der Bestand diese Last aufnimmt, muss eine Tragwerksanalyse zeigen – gerade in Bestandsgebäuden ist eine Tragwerksertüchtigung bei der Nutzungsänderung häufig notwendig. Die statische Bemessung erfolgt heute nach den Eurocodes.
Doppelboden und schwere Aggregate
- Doppelböden übernehmen die Kabelführung und die Verteilung der Kaltluft – sie müssen die konzentrierten Rack-Lasten sicher abtragen.
- USV- und Kühlaggregate bringen weiteres Gewicht ein; Fundamentplatten und Schwingungsentkopplung sind gegebenenfalls einzuplanen.
- Zusammenspiel der Fachleute: Generalunternehmer, Tragwerksplaner und Prüfstatiker stimmen die Lastannahmen früh ab, damit die TGA-Planung darauf aufsetzen kann.
Klimatisierung und Energieversorgung: die Haustechnik
Wärme ist der natürliche Feind der IT. Ohne aktive Kühlung kann die Temperatur im Serverraum – je nach Wärmelast – in nur 5 bis 30 Minuten über die kritische 35-°C-Marke steigen. Die Klimatisierung ist deshalb keine Komfortfrage, sondern betriebsentscheidend.
ASHRAE-Vorgaben als Auslegungsbasis
ASHRAE empfiehlt für Serverräume eine Zulufttemperatur von 18–27 °C und eine relative Luftfeuchtigkeit von 20–80 % bei maximal 17 °C Taupunkt. Kurzzeitig sind bis zu 32 °C zulässig, darüber steigt das Hardwareausfallrisiko signifikant. Diese Werte sind mit Präzisionsklimageräten statt gewöhnlicher Komfortklima-Technik einzuhalten.
Effizienz und Redundanz
- Hot-Aisle/Cold-Aisle: Die Trennung von Warm- und Kaltluftgängen verhindert die Vermischung und steigert die Effizienz.
- PUE-Wert: Typische KMU-Serverräume liegen bei einem PUE von 2,0–3,0; moderne Rechenzentren mit Freiluftkühlung erreichen Werte unter 1,4. Der PUE-Wert ist in der DIN EN 50600 als Effizienzkennzahl verankert.
- Redundanz und USV: Klima und Stromversorgung lassen sich nach dem N+1-Prinzip redundant auslegen. Moderne USV-Systeme erreichen Wirkungsgrade über 95 %; die Abwärme kann über Fernwärmenetze weiter genutzt werden.
Zutrittssicherheit, Monitoring und Betrieb
Physischer Schutz und lückenlose Überwachung runden das Sicherheitskonzept ab – und sind seit NIS-2 auch rechtlich relevant.
Physischer Zugriffsschutz
Die DIN EN 1627 empfiehlt für Serverräume einen physischen Zugriffsschutz der Widerstandsklasse RC 3, also einbruchhemmende Türen und Zargen. Ein Zwei-Faktor-Zutritt gilt als Best Practice und unterstützt die Konformität mit den NIS-2-Anforderungen.
Monitoring und Dokumentation
- Lückenlose Überwachung von Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Zutritt und Stromversorgung mit protokollierter Aufzeichnung.
- BSI INF.2: ergänzt Dokumentationspflichten; ab etwa 50 Mitarbeitern wird die Einhaltung zunehmend prüfrelevant.
- NIS-2-Sanktionen: Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 10 Mio. € oder 2 % des Jahresumsatzes – und die persönliche Haftung der Geschäftsleitung.
Damit wird die Planung des Serverraums vom rein technischen zum unternehmerischen Thema.
GU-Koordination: So läuft der Serverraum-Ausbau in der Praxis
Der Serverraum-Ausbau bringt viele Gewerke an einem kleinen, hochsensiblen Ort zusammen. Genau hier zeigt sich der Wert eines Generalunternehmers als koordinierende Schnittstelle.
Gewerke und Planungsreihenfolge
Rohbau und Tragwerk, Trockenbau, Elektro (USV, Starkstrom), Klima- und Kältetechnik, Brandschutz sowie Netzwerk- und TK-Verkabelung greifen ineinander. Bewährt hat sich eine klare Reihenfolge: erst Nutzungskonzept und Bedarfsanalyse, dann Statik, dann die TGA-Planung. Zum Abschluss stehen Lasttests, Abnahmen und die Brandschutzabnahme.
Kosten und die Frage Eigenbau oder Colocation
- Kostenrahmen: Für einen KMU-Serverraum mit 2–6 Racks sind Erstinvestitionen von 40.000–120.000 € realistisch, zuzüglich rund 8.000–15.000 € laufender Betriebskosten pro Jahr für Strom, Klima, Wartung und Monitoring.
- Eigenbau vs. Colocation: Ob sich ein eigener Serverraum lohnt oder ein externes Rechenzentrum sinnvoller ist, hängt von Verfügbarkeitsanspruch, Sicherheit und vorhandener Fläche ab.
Pejano als Generalunternehmer
Als Generalunternehmer aus Berlin realisiert Pejano seit 2006 über 100 Gewerbeprojekte – von Logistik in Berlin und Brandenburg bis zu anspruchsvollem Innenausbau für Kunden wie Amazon, Chanel und Siemens. Diese Erfahrung mit komplexen technischen Anforderungen bringen wir in den Serverraum-Ausbau ein: von der frühen Abstimmung mit Behörden und Fachplanern über die Steuerung aller Gewerke bis zur Abnahme aus einer Hand.
Ein Serverraum ist bauordnungsrechtlich ein Sonderfall: eigener Brandabschnitt in F 90, Sonderstatik ab 5,0 kN/m² und Präzisionsklima nach ASHRAE müssen zusammenspielen – und seit NIS-2 haftet die Geschäftsleitung persönlich. Ein Generalunternehmer koordiniert diese Gewerke aus einer Hand.
Wir stimmen Brandschutz, Tragwerk und Haustechnik von Anfang an aufeinander ab und koordinieren alle Gewerke bis zur Abnahme. Sprechen Sie mit uns über Ihr Projekt.
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