- Neubaupreise für Bürogebäude stiegen laut Statistischem Bundesamt im Februar 2026 um 3,6 %, für gewerbliche Betriebsgebäude um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr.
- Ausbauarbeiten verteuern sich deutlich stärker als der Rohbau – im Mai 2026 lagen sie bereits bei +5,1 % im Jahresvergleich.
- Teuerster Ausbauposten ist die Elektro-, Sicherheits- und Informationstechnik mit +6,4 % (Mai 2026); eine Neubau-Elektroinstallation kostet 2026 rund 80–150 €/m².
- Haupttreiber sind überdurchschnittlich steigende Löhne, hohe Materialkosten und knappe Kapazitäten bei Spezialgewerken.
- Frühe Ausschreibung, passende Vertragsform und Materialfestschreibung helfen Bauherren, einen erheblichen Teil der Preissteigerungen abzufedern.
Baupreise im Gewerbe aktuell 2026: Wo stehen wir?
Die gute Nachricht zuerst: Die extreme Preisdynamik der Krisenjahre 2021 bis 2023 hat sich abgeschwächt. Die schlechte: Teurer wird es trotzdem weiter – und ausgerechnet dort, wo gewerbliche Bauherren den größten Teil ihres Budgets investieren, nämlich im Ausbau.
Das Statistische Bundesamt meldete für Februar 2026 einen Anstieg der Neubaupreise bei Bürogebäuden von 3,6 % und bei gewerblichen Betriebsgebäuden von 3,4 % gegenüber dem Vorjahr. Diese Durchschnittswerte verdecken jedoch eine wichtige Verschiebung innerhalb der Gewerke.
Ausbau steigt stärker als der Rohbau
Im Februar 2026 verteuerten sich Ausbauarbeiten mit +3,8 % spürbar stärker als Rohbauarbeiten mit +2,7 %. Der Trend hat sich anschließend beschleunigt: Im Mai 2026 lagen die Ausbauarbeiten bereits 5,1 % über dem Vorjahresmonat. Wer 2026 baut, muss also einkalkulieren, dass gerade die kostenintensiven Ausbaugewerke überdurchschnittlich zulegen.
Dass der Preisauftrieb breit über alle Segmente wirkt, zeigt ein Blick über den Hochbau hinaus: Selbst im Straßenbau stiegen die Preise im Februar 2026 um 3,7 %. Der Kostendruck ist kein Sonderfall einzelner Gewerke, sondern flächendeckend. Über die vergangenen 25 Jahre haben sich die Bauwerkskosten sogar mehr als verdoppelt.
Trockenbau 2026: Preistreiber Lohn und Spezifikation
Der Trockenbau ist im Gewerbebau allgegenwärtig: Wände, Vorsatzschalen, abgehängte Decken, Brandschutz- und Akustikaufbauten. Ein großer Teil der Kosten ist Lohn – und genau der steigt.
Die Stundensätze für Trockenbauer liegen 2026 bei 45–70 €/h (inkl. MwSt.). Spachtelarbeiten werden häufig separat mit 8–20 €/m² abgerechnet. Die Bandbreite ist kein Zufall, sondern hängt maßgeblich von der geforderten Ausführungsqualität ab.
DIN 18202 und die Qualitätsstufe entscheiden mit
Maßgeblich für die Ebenheit von Wand- und Deckenflächen ist die DIN 18202. Für die Oberflächengüte von Spachtelungen haben sich Qualitätsstufen von Q1 bis Q4 etabliert. Für Gewerberäume ist Q2 die übliche Standardanforderung. Wer ohne Not eine höhere Stufe ausschreibt, zahlt mehr – oft ohne dass es der spätere Nutzer bemerkt.
Besonders spürbar steigen die Kosten dort, wo der Trockenbau anspruchsvolle Zusatzfunktionen übernimmt, etwa bei Brandschutzwänden oder bei akustisch wirksamen Aufbauten. Die wichtigste Stellschraube liegt hier nicht auf der Baustelle, sondern in der Ausschreibung: Eine präzise Leistungsbeschreibung mit der wirklich benötigten Qualitätsstufe verhindert teure Überspezifikation und Nachträge.
Estrich im Gewerbebau: Materialpreise und Systemwahl
Der Estrich verbindet Rohbau und Ausbau – und ist ein oft unterschätzter Kostenfaktor. 2026 liegen die Preise für Zementestrich ab 22 €/m² und für Fließestrich ab 26 €/m². Betrachtet man den kompletten schwimmenden Bodenaufbau inklusive Dämmung und PE-Folie, erreicht man schnell 35–60 €/m².
System- und Flächenwahl als Kostenhebel
- Systemwahl: Fließestrich ist pro Quadratmeter teurer, kann aber schneller und ebener verarbeitet werden – im Gewerbebau mit großen Flächen ein relevanter Effizienzfaktor.
- Heizestrich: Bei Gewerbeimmobilien mit Fußbodenheizung wird der Bodenaufbau aufwendiger und damit teurer.
- Mindestmengen: Bei kleinen Flächen schlagen Mindestmengenpauschalen der Estrichleger überproportional zu Buche.
Trocknungszeiten als Bauzeitrisiko
Estrich braucht Zeit zum Trocknen, bevor darauf weitergearbeitet werden kann. Wird diese Zeit nicht sauber im Bauzeitenplan berücksichtigt, entstehen Verzögerungen, die im Gewerbebau schnell teurer werden als der Estrich selbst. Auch das ist ein Argument für eine durchdachte Gewerkesequenz.
Elektrotechnik: Teuerster Ausbauposten 2026
Kein Ausbaugewerk verteuerte sich 2026 stärker als die Elektro-, Sicherheits- und Informationstechnik. Im Mai 2026 lag der Anstieg bei +6,4 %, im ersten Quartal (Februar) bereits bei +5,4 % gegenüber dem Vorjahr. Damit ist dieses Gewerk der klare Kostentreiber im Ausbau.
Eine vollständige Elektroinstallation im gewerblichen Neubau kostet 2026 zwischen 80 und 150 €/m² bei Standardausstattung; bei mittlerer Ausstattung liegen die Marktpreise bei 70–120 €/m². Auch bei der Gebäudetechnik zieht es an: Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen inklusive Wärmepumpen stiegen im ersten Quartal 2026 um 4,2 %.
Warum Gewerbe besonders betroffen ist
Im Gewerbebau kommen zahlreiche Anlagen zusammen, die den Elektroanteil in die Höhe treiben: Brandmeldeanlagen, elektroakustische Anlagen zur Sprachalarmierung, strukturierte IT-Verkabelung, Sicherheits- und Zutrittstechnik. Je höher der technische Anspruch, desto größer der Anteil an teurer Elektrotechnik.
Die wichtigste Konsequenz: Starkstrom- und Schwachstromanlagen sollten so früh wie möglich geplant werden. Nachträgliche Änderungen an der Elektroplanung sind teuer und ziehen häufig Folgegewerke mit – gerade beim derzeit teuersten Gewerk lohnt sich Planungsvorlauf besonders.
Warum die Baupreise weiter steigen: die Haupttreiber
Die Preissteigerungen 2026 haben keine einzelne Ursache. Drei Faktoren wirken zusammen:
- Lohnkostendruck: Die Tariflöhne im Bauhandwerk steigen überdurchschnittlich. Da die Produktivität nur begrenzt zunimmt, werden diese Kosten größtenteils an die Bauherren weitergegeben. Dies ist ein wesentlicher Kostentreiber im Baugewerbe 2026.
- Materialkosten: Rohstoffe wie Kupfer, Gips, Zement und Dämmstoffe bleiben auf hohem Niveau. Gerade der Kupferpreis erklärt einen Teil des besonders starken Anstiegs in der Elektrotechnik.
- Fachkräftemangel: Knappe Kapazitäten bei Spezialgewerken wie Elektro und technischer Gebäudeausrüstung verstärken den Preisdruck zusätzlich.
Hinzu kommen geopolitische Risiken, die die Rohstoffpreise unsicher machen. Für die zweite Jahreshälfte 2026 wird eine anziehende Baukonjunktur erwartet, die den moderaten Anstieg wieder leicht verstärken dürfte. Bemerkenswert: Selbst Instandhaltungsarbeiten lagen im Februar 2026 mit 4,1 % über dem Vorjahr – und damit über dem reinen Neubaupreisanstieg. Bauen und Erhalten werden gleichermaßen teurer.
Vertragliche Hebel: So sichern Bauherren ihre Kosten
Gegen den Markttrend lässt sich nicht ansteuern – wohl aber gegen einen Teil der individuellen Kostenrisiken. Die Vertragsgestaltung ist dabei einer der stärksten Hebel.
Vertragsform bewusst wählen
- Einheitspreisvertrag: Abgerechnet wird nach tatsächlichen Mengen zu vereinbarten Einheitspreisen – sinnvoll, wenn Mengen noch nicht vollständig feststehen.
- Pauschalpreisvertrag: Ein fixer Gesamtpreis schafft Kostensicherheit, setzt aber eine belastbare, vollständige Leistungsbeschreibung voraus.
- Guaranteed Maximum Price (GMP): Ein garantierter Höchstpreis kann bei Großprojekten die Obergrenze absichern und gleichzeitig Optimierungsspielräume offenhalten.
Preise und Materialien fixieren
Über eine Materialfestschreibung lassen sich die Preise für Kernmaterialien bereits bei Auftragserteilung fixieren. Preisgleitklauseln – etwa auf Basis von § 2 Abs. 3 VOB/B – können Schwankungen abbilden, sollten aber klar formuliert und der Höhe nach begrenzt werden. Da es hier auf die konkrete Ausgestaltung ankommt, ist eine fachliche Prüfung im Einzelfall dringend zu empfehlen; die genannten Regelungen ersetzen keine Rechtsberatung.
Planerische Hebel und die Rolle des Generalunternehmers
Neben dem Vertrag entscheidet die Planung über die Kosten. Wer den Ausbau erst kurz vor Baubeginn ausschreibt, verliert Verhandlungsmacht und trifft auf knappe Kapazitäten der teuersten Gewerke.
Frühe Ausschreibung und kluge Gewerkesequenz
- Zeitlicher Vorlauf: Eine frühe Ausschreibung – idealerweise mehrere Monate vor Baubeginn – verschafft Bauherren die besten Angebote, gerade bei Elektro und technischer Gebäudeausrüstung.
- Gebündelte Vergabe: Werden zusammengehörige Gewerke gebündelt vergeben, sinken Schnittstellen- und Koordinationskosten.
- Standardisierung: Definierte Ausbaustandards, etwa in Form von Büroausbau-Katalogen, senken Planungskosten und reduzieren Überspezifikation.
- Taktplanung: Eine durchdachte, an Lean-Construction-Prinzipien orientierte Gewerkeabfolge vermeidet Leerlauf und Trocknungspausen, die Zeit und Geld kosten.
Warum der Generalunternehmer der zentrale Hebel ist
Genau hier bündelt ein Generalunternehmer die entscheidenden Stellschrauben: Er koordiniert die Gewerke, führt die Ausschreibung frühzeitig und gebündelt, wählt die passende Vertragsform und steuert die Bauzeit so, dass Preissteigerungen nicht ungebremst durchschlagen. Die frühzeitige Einbindung eines GU ist damit einer der wirksamsten Schutzmechanismen gegen Marktpreisschwankungen.
Die Pejano Bauunternehmung GmbH begleitet als Generalunternehmer aus Berlin seit 2006 gewerbliche Bauprojekte – mit über 100 realisierten Vorhaben, unter anderem für Kunden wie Amazon, Chanel und Siemens. Gerade im aktuell teuren Ausbau zeigt sich der Wert einer erfahrenen GU-Steuerung: von der Leistungsbeschreibung über die Vergabestrategie bis zur belastbaren Kostenverfolgung.
Die Baupreise im Gewerbe steigen 2026 weiter, und der Ausbau legt stärker zu als der Rohbau – besonders die Elektrotechnik. Wer früh ausschreibt, die Vertragsform bewusst wählt und Kernmaterialien fixiert, kann einen erheblichen Teil der Steigerungen abfedern.
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